die gewünschte Geschichte.....
Liebe Jamila, liebe Gabi (die du mich darum gebeten hast) und all ihr anderen lieben Menschen hier!
Ich hab euch die von gabi weiter oben erwähnte Geschichte abgeschrieben, die ein wenig die Bedeutung von Karma erklärt. Sie ist aus dem Buch "Ziel aller Reisen" von Phyllis Krystal, Seite 217-218:
…..Er ging mir voraus zu den Darshanreihen in Puttaparthi, machte einen weiten Bogen um die Männer und begann dann auf der Frauenseite hin und her zu gehen. Er schaute mehrmals zurück, um sich zu vergewissern, dass ich ihm folgte und winkte mich mit einer Handbewegung näher heran. Schließlich blieb er vor einer Inderin stehen, in deren Schoß sich ein etwa zehnjähriger grotesk aussehender Bub räkelte. Sein Kopf schlenkerte unkontrolliert von einer Seite zur anderen, seine Beine standen steif vom Körper ab, und seine Arme fuchtelten wild über dem Kopf herum. Solche Kinder, die die Eltern in der verzweifelten Hoffnung zu ihm bringen, eine Berührung von Babas Hand oder sein bloßer Anblick oder am allerbesten ein für sie materialisiertes Vibhuti könne eine Heilung bewirken, hatte ich öfters gesehen. Diese Frau war keine Ausnahme. Man sah ihr an, dass sie voller Hoffnung war. Sowie Baba vor ihr stehen blieb, leuchtete ihr Gesicht auf. Aus ihren großen, flehenden, dunklen Augen strömten Tränen, und ihr ganzer Körper war eine einzige verzweifelte Bitte um Hilfe. Baba drehte sich um und fragte mich, ob ich möchte, dass er dieses Kind heile. Ich sagte von herzen: „ Oh ja, natürlich, Baba!“ Aber er drehte sich wieder um und winkte mir, ihm weiter zu folgen. Er ging schnell, und es war irgendwie, als ob wir uns durch die Luft und mit unbeschreiblicher Geschwindigkeit mühelos fortbewegten, bis wir an einen seltsamen Ort kamen. Es kam mir vor, als seien wir in eine frühere zeit zurückversetzt worden. Wir gingen eilig weiter, bis wir zu einem Schauplatz kamen, wo anscheinend zwei Männer über verschiedene Angeklagte, die ihnen vorgeführt wurden, Recht sprachen. Einer der Männer war offenbar der Richter und der andere der Gerichtsschreiber. Mit sichtlichem Genuss schrieb dieser etwas auf die Tafel. Ich vermutete, es waren die Strafen, die über die Angeklagten verhängt wurden. Den entsetzten Reaktionen der Schuldiggesprochenen konnte ich entnehmen, dass die Strafen – gemessen an ihren Übertretungen – viel zu schwer ausgefallen waren. Baba wandte sich zu mir um, um sicherzugehen, dass ich die Bedeutung dieser Szene verstand: Die beiden Männer hatten sich wieder inkarniert, und der harte Richter war nun in den bizarren, hilflosen Körper des Kindes eingesperrt und der Obhut seines ehemaligen Schreibers anvertraut, der nun seine Mutter war. Sie hatte nun die Chance, in der Sorge um ihr behindertes Kind das Mitleid zu lernen, das ihr damals gefehlt hatte.
Baba sah, dass ich verstanden hatte und setzte seinen Weg – immer mit mir im Schlepptau – fort, bis wir auf dem Darshanplatz vor der Mutter und ihrem Kind standen. Er sah mich mit merkwürdigem Gesichtsausdruck an und fragte: „Möchtest du immer noch, dass ich ihn heile?“ Meine Augen füllten sich mit Tränen, mehr wegen seiner unendlichen Weisheit, als wegen der Notlage dieser beiden Menschen. Ich schüttelte traurig den Kopf und sagte: „Nein, Baba, nicht jetzt.“ Er nickte und lächelte zustimmend, weil ich verstanden hatte, dass nicht einmal er sich einmischen wird, wenn vergangenes Karma abgearbeitet werden muss. Wenn er es täte, würde er den Menschen die Möglichkeit nehmen, aus ihren früheren Fehlern zu lernen, indem sie es in diesem Leben durch Leid ausgleichen.
Und warum eine Seele, also auch wir uns ganz bewusst dieses Leid wählen, das könnt ihr ja mal Matthias fragen, der hatte zum Thema "die Seele will im nächsten Leben das Unrecht gutmachen" eine eigene Erfahrung/Vision/Traum, wie immer man das nennen mag.
Liebe Grüsse an euch alle,
Sabine
|