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  #1 (permalink)  
Alt 21.04.2008, 21:18
Benutzerbild von Indigo
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Indigo wird schon bald berühmt werden
Idee Das Erbe des Buddhas

Nur einen Tag bevor Buddha den Palast verließ, um sich auf die Suche nach der Wahrheit zu machen, hatte seine Frau ein Kind zur Welt gebracht. Es ist eine sehr menschliche Geschichte, so schön…
Bevor er den Palast verließ, wollte er wenigstens noch einmal das Gesicht seines Kindes sehen, das Symbol der Liebe mit seiner Frau. Er ging also in die Gemächer seiner Frau. Sie schlief, und das Kind war mit einer Decke zugedeckt. Er wollte die Decke entfernen, um das Gesicht seines Kindes zu sehen, da er vielleicht nie wieder zurückkommen würde. Er ging auf eine unbekannte Pilgerreise. Dafür setzte er alles aufs Spiel: sein Königreich, seine Frau, sein Kind und sich selbst, um nach der Erleuchtung zu suchen – etwas, wovon er nur gehört hatte, dass es möglich sei, dass nur ein paar wenige sie erlangt hätten, die danach gesucht hatten.
Er war sicher so voller Zweifel, wie es jeder in dieser Situation wäre, aber der Augenblick der Entscheidung war gekommen. Er war entschlossen zu gehen. Doch wie das menschliche Denken, die Natur des Menschen eben ist, wollte er einfach das Kind noch sehen. Er hatte noch nicht einmal das Gesicht seines eigenen Kindes gesehen. Aber er fürchtete, dass seine Frau Jashodara aufwachen würde, wenn er die Decke entfernte, und Fragen stellen würde: „Was machst du mitten in der Nacht in meinem Zimmer? Und du siehst aus, als wolltest du auf Reisen gehen…“
Er war bereit gewesen zu gehen und hatte zu seinem Kutscher gesagt: „Warte noch eine Minute. Lass mich das Gesicht des Kindes sehen. Vielleicht komme ich ja niemals wieder zurück.“ Nun aber konnte er es nicht sehen, da er befürchtete, dass Jashodara weinen und klagen würde, wenn sie aufwachte: „Wohin gehst du? Was machst du? Was soll diese Entsagung? Was ist denn Erleuchtung?“ Bei Frauen weiß man ja nie – sie könnte den ganzen Palast aufwecken! Sein Vater würde kommen, und es wäre alles verdorben… Deshalb floh er einfach.
Als er zwölf Jahre später erleuchtet war, kehrte er als erstes zu seinem Palast zurück, um sich bei seinem Vater und bei seiner Frau zu entschuldigen – und auch bei seinem Sohn, der mittlerweile zwölf Jahre alt sein musste. Es war ihm klar, dass sie wütend sein würden. Sein Vater war sehr erzürnt; er traf ihn als ersten. Eine halbe Stunde lang beschimpfte er Buddha. Aber dann merkte er plötzlich, dass er so vieles gesagt hatte und sein Sohn einfach nur da stand wie eine Marmorstatue, als ob es nichts mit ihm zu tun hätte.
Der Vater schaute ihn an und Buddha sagte: „Das war es damals, was ich wollte. Bitte trockne deine Tränen und sieh mich an. Ich bin nicht mehr derselbe, der damals den Palast verließ. Dein Sohn ist längst gestorben. Ich sehe zwar aus wie dein Sohn, aber mein ganzes Bewusstsein ist verändert. Schau mich nur an.“
Der Vater antwortete: „Ich sehe es. Eine halbe Stunde lang habe ich dich beschimpft – das reicht als Beweis, dass du dich verändert hast. Denn ich weiß, wie temperamentvoll du warst. Du konntest nicht so still da stehen. Was ist mit dir geschehen?“ „Ich werde es dir sagen“, erwiderte Buddha. „Lass mich zuerst meine Frau und mein Kind sehen. Sie warten bestimmt, denn sie müssen gehört haben, dass ich gekommen bin.“
Und das Erste, was seine Frau zu ihm sagte, war: „Ich kann sehen, dass du verwandelt bist. Ich habe in den zwölf Jahren sehr gelitten. Nicht weil du fort gegangen warst, sondern ich litt, weil du es mir nicht gesagt hast. Wenn du mir einfach gesagt hättest, dass du fort gehst um die Wahrheit zu suchen, meinst du, ich hätte dich daran gehindert? Damit hast du mich sehr verletzt. Das ist die Wunde, die mich zwölf Jahre lang geschmerzt hat. Auch ich gehöre zur Kriegerkaste. Meinst du, ich sei so schwach, dass ich dich mit Weinen und Schreien aufgehalten hätte?
Dass ich in den zwölf Jahren gelitten habe, hatte nur einen Grund, nämlich dass du mir nicht vertraut hast. Ich hätte dich gehen lassen, ich hätte dich verabschiedet, wäre zu deiner Kutsche gekommen.
Nun will ich dir die einzige Frage stellen, die mich seit zwölf Jahren beschäftigt hat. Was immer du erreicht hast…Und ganz offenbar hast du tatsächlich etwas erreicht. Du bist nicht mehr derselbe, der den Palast vor zwölf Jahren verlassen hatte. Du strahlst ein anderes Licht aus; deine Gegenwart ist vollkommen neu und frisch. Deine Augen sind klar und rein wie der wolkenlose Himmel. Und du bist so schön geworden… Du warst immer schön, aber diese Schönheit scheint nicht von dieser Welt zu sein. Eine höhere Gnade schein dir zuteil geworden zu sein. Meine Frage ist: Was immer es ist, was du erreicht hast, wäre es nicht möglich gewesen, es hier in diesem Palast zu erreichen? Kann der Palast die Wahrheit verhindern?“
Es ist eine hochintelligente Frage, und Gautama Buddha musste ihr zustimmen: „Ich hätte es auch hier erlangen können, aber das wusste ich damals nicht. Jetzt kann ich sagen, dass ich es auch hier in diesem Palast hätte erreichen können. Es war nicht nötig, mich in die Berge zurückzuziehen; ich hätte nirgendwohin gehen brauchen. Ich musste nur nach innen gehen, und das hätte überall geschehen können. Dieser Palast war ebenso gut wie jeder andere Ort, aber das kann ich erst jetzt sagen. Damals hatte ich keine Ahnung.
Deshalb musst du mir vergeben. Es stimmt nicht, dass ich kein Vertrauen zu dir hatte oder dir keinen Mut zutraute. Ich zweifelte eigentlich nur an mir selbst. Hätte ich dich aufwachen gesehen oder das Kind gesehen, dann hätte ich vielleicht angefangen mich zu fragen: "Was mache ich? Ich verlasse meine schöne Frau, die mir in totaler Liebe ergeben ist? Und mein Kind, das nur einen Tag alt ist – wenn ich es verlasse, warum habe ich es dann auf die Welt gebracht? Ich entziehe mich der Verantwortung. Wenn dann noch mein alter Vater aufgewacht wäre, hätte ich es nicht tun können. Es ist also nicht so, dass ich dir nicht traute; in Wirklichkeit traute ich mir selbst nicht. Ich wusste, dass ich selbst schwankend geworden wäre. Ich war nicht total in meiner Entsagung. Ein Teil von mir sagte: Was tust du da?" Und ein anderer Teil sagte: "Jetzt ist es Zeit, es zu tun. Wenn du es jetzt nicht tust, wird es immer schwieriger. Dein Vater bereitet sich darauf vor, dich krönen zu lassen. Wenn du einmal zum König gekrönt bist, wird es immer schwieriger.’“
Yashodara sagte zu ihm: „Das war die einzige Frage, die ich an dich hatte, und ich bin sehr froh, dass du ganz ehrlich gesagt hast, dass es auch hier erlangt werden kann, dass es überall erlangt werden kann. Dein Sohn, der hier steht, ist nun ein zwölfjähriger Junge, der mich ständig nach dir gefragt hat. Und ich habe ihm immer gesagt: "Warte nur. Er wird zurückkommen. Er kann nicht so grausam sein, er kann nicht so unfreundlich sein, er kann nicht so unmenschlich sein. Eines Tages wird er wiederkommen. Vielleicht wird es lange dauern, bis er das verwirklicht hat, was er wollte, aber wenn er es verwirklich hat, wird er als Erstes zurückkommen.’ Dein Sohn ist also hier, und ich möchte, dass du mir sagst, welches Erbe du deinem Sohn hinterlässt. Was hast du, das du ihm geben kannst? Du hast ihm das Leben geschenkt. Was hast du ihm sonst zu bieten?“
Buddha hatte nichts außer seiner Bettelschale. Er rief seinen Sohn – sein Name war Rahul. Er rief also Rahul zu sich und gab ihm die Bettelschale. Er sagte: „Ich habe nichts. Dies ist mein einziger Besitz. Von nun an werde ich meine Hände als Bettelschale benutzen um Essen anzunehmen, um für mein Essen zu betteln. Indem ich dir diese Bettelschale gebe, weihe ich dich als meinen Schüler ein. Das ist der einzige Schatz, den ich gefunden habe, und ich möchte, dass du ihn auch findest.“ Zu Yashodara sagte er: „Sei bereit, in die Gemeinschaft meiner Schüler einzutreten.“ Und er weihte auch seine Frau als Schülerin ein. Der alte Mann hatte alles beobachtet. Er sagte: „Warum lässt du mich aus? Willst du das, was du gefunden hast, nicht auch mit deinem alten Vater teilen? Mein Tod ist nicht mehr weit. Weihe mich auch ein.“
Buddha sagte: „Ich bin eigentlich nur gekommen, um euch alle mitzunehmen, denn was ich gefunden habe, ist ein sehr viel größeres Reich – ein Reich, das ewig währt, das nicht erobert werden kann. Ich bin hierher gekommen, damit ihr meine Gegenwart spüren könnt, damit ihr spüren könnt, was ich erkannt habe, und um euch dazu zu überreden, mich auf meiner Reise zu begleiten

Wenn es keine Vergangenheit gibt, wenn es keine Zukunft gibt, erst dann gibt es Frieden. Zukunft bedeutet Streben, etwas Erreichen, Ziele, Ehrgeiz, Wünsche. Du kannst nicht jetzt hier sein; du rennst immer etwas hinterher, woanders hin. Erst wenn man ganz und gar da ist für die Gegenwart, dann tritt Frieden ein. Und daraus entsteht eine Erneuerung des Lebens, denn das Leben kennt nur eine Zeit, und zwar die Gegenwart.
Die Vergangenheit ist tot; die Zukunft ist nur eine Projektion der toten Vergangenheit. Was kannst du über die Zukunft schon denken? Dein Denken ist von der Vergangenheit bestimmt; die kennst du und projizierst sie – natürlich in verbesserter Form. Sie ist schöner; besser ausgeschmückt. Alle Schmerzen entfernt man und sucht sich nur die angenehmen Seiten aus, aber es ist die Vergangenheit.
Die Vergangenheit ist nicht mehr; die Zukunft ist noch nicht; nur die Gegenwart ist. In der Gegenwart zu sein heißt, wirklich lebendig zu sein – das ist das Optimum. Und das ist Erneuerung.

Alles Liebe und Gute
Ines
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