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Alt 29.04.2008, 20:42
Benutzerbild von Indigo
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Indigo wird schon bald berühmt werden
Daumen hoch Der Samurai und der Meister

Wenn das Gefühl von Unterlegenheit verschwindet, fühlt man sich auch nicht mehr überlegen. Die beiden leben zusammen, sie können nicht voneinander getrennt sein. Ein Mensch, der sich anderen überlegen fühlt, hat irgendwo ein Minderwertigkeitsgefühl. Und wer sich minderwertig fühlt, möchte eigentlich fühlen, dass er etwas Besseres ist. Die beiden kommen als Paar; sie sind immer zusammen und können nicht getrennt werden.
Hier eine Geschichte: Ein Samurai sehr stolzer Krieger, suchte eines Tages einen Meister auf. Der Samurai war sehr berühmt, im ganzen Land bekannt. Als er jedoch den Meister ansah, als er die Schönheit des Meisters und die Anmut des Augenblicks spürte, fühlte er sich plötzlich unterlegen. Vielleicht war er mit dem unbewussten Wunsch gekommen, dem Meister seine Überlegenheit zu beweisen. Er sagte zum Meister: „Warum fühle ich mich plötzlich unterlegen? Gerade eben war noch alles in Ordnung. Aber als ich deinen Hof betrat, fühlte ich mich plötzlich minderwertig. So habe ich mich noch nie gefühlt. Meine Hände zittern. Ich bin ein Krieger und habe dem Tod viele male ins Auge geschaut und noch nie irgendwelche Furcht verspürt. Warum habe ich jetzt Angst?“
Der Meister sprach: „Warte. Wenn alle anderen fort sind, werde ich dir antworten.“ Den ganzen Tag über kamen Besucher, die den Meister sehen wollten, und der Samurai wurde immer müder. Als es Abend wurde, war der Raum leer, und der Samurai fragte: „ Kannst du mir jetzt antworten.“ Der Meister sagte: „Komm nach draußen.“
Es war eine Vollmondnacht und der Mond stieg am Horizont auf. Und er sagte: „Schau dir diese Bäume an – dieser hier, der hoch zum Himmel aufragt, und der kleine daneben. Seit Jahren stehen sie vor meinem Fenster, und es hat noch nie ein Problem gegeben. Der kleine Baum hat noch nie zu dem großen Baum gesagt: ,Warum fühle ich mich neben dir so minderwertig?’ Wie ist das möglich? Dieser Baum ist klein und der andere so groß, und ich habe sie nicht einmal so etwas raunen hören.“
Der Samurai sagte: „Weil sie sich nicht vergleichen lassen.“ „Du brauchst mich also nicht zu fragen“ sagte der Meister. „Du kennst die Antwort.“
Vergleichen erzeugt ein Gefühl von Überlegenheit oder Unterlegenheit. Wenn du dich nicht vergleichst, verschwindet alle Unterlegenheit und alle Überlegenheit. Dann bist du einfach nur; du bist einfach da. Ob ein kleiner Busch oder ein hoher Baum, spielt keine Rolle – du bist du. Du wirst gebraucht. Ein Grashalm wird ebenso gebraucht wie der größte Stern. Ohne diesen Grashalm wäre Gott weniger als er ist. Der Ruf eines Kuckucks ist ebenso wichtig wie jeder Buddha. Die Welt wäre weniger, weniger reich, wenn es keinen Kuckuck gäbe.
Schau dich um: Alles wird gebraucht, und alles passt zusammen. Es ist eine organische Einheit. Niemand ist höher und niemand ist niedriger; niemand ist überlegen und niemand unterlegen. Jeder ist unvergleichlich einzigartig.


Jeder Mensch ist einzigartig. Es ist keine Frage, ob jemand überlegen ist oder jemand unterlegen ist. Ja, die Menschen sind verschieden.
Lasst mich eines betonen, sonst wird man mich missverstehen: Ich sage nicht, dass alle gleich sind. Niemand ist überlegen, niemand ist unterlegen, aber es ist auch niemand gleich. Die Menschen sind einfach einzigartig, unvergleichbar.
Du bist du, und ich bin ich. Ich muss meinen mir möglichen Beitrag zum Leben leisten, und du musst deinen möglichen Beitrag zum Leben geben. Ich muss mein eigenes Sein entdecken, und du musst dein eigenes Sein entdecken.


Alles Liebe und Gute
Ines
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