Das offene Geheimnis des wahren Erfolgs
Ein Gedicht des Mystikers Kabir:
Ich spreche zu meinem inneren Geliebten, und ich sage: „Warum solche Hast?“ Wir spüren, dass es so etwas wie eine Seele gibt, die Vögel und Tiere und Ameisen liebt. Es mag derselbe Geist sein, der dich im Schoß deiner Mutter in Licht hüllte. Ist es denn schlüssig, dass du nun völlig verwaist umherwanderst? Die Wahrheit ist: Du selbst hast dich abgewandt und dich entschieden, allein ins Dunkel zu gehen. Nun hast du dich in anderen verstrickt und hast vergessen, was du einst wusstest. Und deshalb ist alles, was du tust, seltsam zum Scheitern verurteilt.
Die Dinge geschehen so, wie sie geschehen müssen. Die Dinge müssen so geschehen, wie es nötig ist. Alles geht gut – vertraue darauf. Achte auf den feinen Unterschied: Der Theologe sagt, du sollst an das Konzept von Gott glauben. Der Mystiker sagt, man braucht nicht an ein Konzept von Gott glauben. Spüre einfach die Harmonie in der Existenz. Sie ist kein Konzept; sie ist kein Glauben. Du kannst sie spüren; sie ist überall.
Sie ist fast greifbar. In dem Augenblick, in dem du dich als Eins mit dem Ganzen wahrnimmst, kommt die Entspannung, ein plötzliches Loslassen. Du brauchst dich nicht mehr zusammenzureißen, du kannst dich entspannen. Du brauchst nicht mehr angespannt sein, denn es gibt kein privates Ziel, dass du erreichen musst. Du bist im Fluss mit Gott. Gottes Ziel ist dein Ziel; seine Bestimmung ist deine Bestimmung. Du hast keine private Bestimmung – eine private Bestimmung macht nur Probleme.
Hast du es noch nie in deinem eigenen Leben beobachtet? Alles, was du tust, scheitert immer wieder. Und du siehst immer noch nicht, woran es liegt. Du denkst, du hättest es nicht so getan, wie man es tun sollte, und deshalb sei es misslungen. Also suchst du dir ein neues Projekt und scheiterst wieder. Dann denkst du, dass deine Fähigkeiten nicht ausreichen, also lernst du neue Fähigkeiten, und dann scheiterst du wieder. Dann denkst du: „Die ganze Welt ist gegen mich", oder „Das Schicksal hat sich gegen mich verschworen“, oder „Ich bin ein Opfer der Missgunst anderer Leute.“ Du findest immer wieder neue Erklärungen dafür, warum du scheiterst, aber niemals triffst du den wahren Grund deines Scheiterns.
Kabir sagt: Scheitern heißt: Du minus Gott. Dies ist die Einsicht Kabirs. Scheitern ist gleich Du-minus-Gott, und Erfolg ist gleich Du-mit-Gott. Erfolg ist in Gott und mit Gott. Und merke dir: Mit „Gott“ meine ich nicht eine Person, die irgendwo im Himmel sitzt, sondern den kosmischen Geist. Spüre den kosmischen Geist, das Gesetz, das die gesamte Existenz durchdringt, woraus du geboren wurdest und wohin du eines Tages zurückkehren wirst.
Wenn es Morgen ist, ist es Morgen. Wenn es Abend ist, ist es Abend. Es stellt sich gar nicht die Frage, ob man die Wahl hat. Höre auf zu wählen, und du bist überall frei. Freiheit kann nur da sein, wenn man nicht wählt. Solange du also jung bist, ist es schön, jung zu sein. Wenn du ein Kind bist, ist es schön. Und wenn du alt bist, ist es schön; wenn du stirbst, ist es schön. Denn du bist niemals vom Ganzen getrennt; du bist nur eine Welle im Meer.
Die Welle im Meer kann meinen, sie sei getrennt. Dann gerät sie in Schwierigkeiten. Die Welle im Meer sieht sich niemals als etwas Getrenntes. Wo immer das Meer sie hinträgt – sie geht bereitwillig und fröhlich tanzend mit.
In Liebe
Ines
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