Die Geschichte vom Zugvogel
DIE GESCHICHTE VOM ZUGVOGEL (Quelle unbekannt)
Einer kam zum Rabbi und sagte: "Ich erzähle dir eine Geschichte und möchte wissen, was du dazu sagst" - und er begann sogleich zu erzählen.
Es war einmal eine Schwalbe, die beschloss eines Frühherbstes, dieses Jahr nicht in den Süden zu ziehen und hier zu überwintern.
Die übrigen Schwalben sammelten sich bereits auf den Bäumen, um sich zum Abflug bereitzumachen, einige Schwärme waren bereits abgeflogen, aber diese eine Schwalbe, tat nichts dergleichen, sie schloss sich keinem Schwarm an.
Und als bereits der letzte Schwarm am Nebenbaum saß, und unsere Schwalbe noch immer keine Vorkehrungen für den Abflug traf, da fragten die anderen Schwalben von nebenan, was denn los sei. Und die Schwalbe sagte es ihnen. Sie habe sich entschlossen, diese Saison nicht in den Süden zu fliegen, sie werde heuer hier überwintern, hier auf diesem Baum.
Die anderen Schwalben waren entsetzt, sie versuchten sie umzustimmen, sie warnten sie: das sei unmöglich, sie werde verhungern und erfrieren. Aber unsere Schwalbe blieb fest entschlossen: ihr reiche diese ewige Fliegerei in den Süden, jedes Jahr dieselbe Strecke, jedes Jahr dieselbe Strapaze, sie habe genug und werde heuer auf diesem Baum überwintern.
Und so flog auch der letzte Schwarm ab und die Schwalbe blieb am Baum sitzen.
Es ging ihr zunächst auch sehr gut. Es war dieses Jahr ein milder Herbst und sie fand lange Zeit ausreichend zu fressen. Aber, nach dem die ersten Morgenfroste aufgetreten waren, da war ihr Baum plötzlich kahl, es wurde kälter und kälter und sie hatte zunehmend Mühe irgendetwas zum Fressen zu finden und das wurde von Tag zu Tag schlimmer.
Und eines Tages, nachdem in der Früh der erste Schnee gefallen war, da saß die Schwalbe ausgehungert und steif gefroren auf ihrem Baum und kämpfte damit, sich am Ast festzuhalten. Schließlich schaffte sie das nicht mehr und fiel wie ein Stein zu Boden und dachte "jetzt ist’s vorbei". Aber sie hatte noch nicht fertig gedacht, da kam eine Kuh des Weges und "Platsch", setzte sie einen großen Fladen auf die Schwalbe. Dieser Fladen war warm, ja fast heiß - und tat der Schwalbe wohl; langsam taute sie auf, konnte Beinchen, Flügel und Kopf wieder rühren - aber nicht nur das. Der Fladen war, auch voller Nahrung - und die Schwalbe schlug sich den Bauch voll, sodass sich in Kürze alle ihre Lebensgeister wieder regten. Und auf diese Weise gestärkt und zu Kräften gekommen, streckte sie voller Freude den Kopf heraus und begann zu zwitschern.
In diesem Augenblick kam ein verhungerter Fuchs des Weges - hörte und sah - und schnapp, hatte er die Schwalbe auf einen Satz verschluckt und seufzte erleichtert.
„Was sagst du dazu, Rabbi?“ – „Tja“, meinte der Rabbi,
„Nicht jeder, der dir auf den Kopf scheißt, ist dein Feind.
Nicht jeder, der dich aus der Scheiße herausholt, ist dein Freund.
Und wenn du schon in der Scheiße sitzt, dann jubiliere nicht!“
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