Gesunder Schlaf
Während der Entwicklung der menschlichen Zivilisation wurde der Schlaf am nachhaltigsten beschädigt. Seit der Erfindung von künstlichem Licht leidet der Schlaf des Menschen. Und seit dem Aufkommen immer weiterer Erfindungen, gilt Schlaf zunehmend als etwas Unnützes, als reine Zeitverschwendung. Die Zeit, während der wir schlafen, gilt als absolut vergeudet. Je weniger Schlaf wir brauchen, desto besser. Den Menschen kommt es gar nicht in den Sinn, dass Schlaf irgendeinen tieferen Sinn für die Prozesse des Lebens haben könnte. Sie sind stattdessen überzeugt, dass jede schlafend verbrachte Minute eine verschwendete Minute ist; je eher es ihnen gelingt, Schlafzeit zu reduzieren, desto besser.
Wir haben nicht einmal erkannt, dass die Ursache aller Krankheiten und Gebrechen, an denen der Menschen leidet, letztlich in einem Mangel an Schlaf gründet. Jemand, der nicht vernünftig schläft, kann auch nicht vernünftig leben. Schlaf ist keine vergeudete Zeit. Acht Stunden Schlaf sind alles andere als verschwendet. Im Gegenteil; wir können nur aufgrund dieser acht Stunden Schlaf die anderen sechzehn wach bleiben. Dies wäre dir andernfalls gar nicht möglich.
Während dieser acht Stunden Schlaf sammelt ihr neue Energie, regeneriert ihr euch, drosseln Verstand und Herz ihre Aktivität; es ist das Hara, dass in dieser Zeit alle Lebensfunktionen steuert. In diesen acht Stunden verschmelzt ihr wieder mit der Natur und der Existenz. Deshalb fühlt ihr euch anschließend so erfrischt.
Schlaf muss im Leben des Menschen wieder seinen rechtmäßigen Platz einnehmen. Im Interesse der psychischen Gesundheit des Menschen ist es dringend geboten, ausreichenden Schlaf gesetzlich anzuordnen, und zwar am besten für die nächsten ein- bis zweihundert Jahre.
Ein Meditierer sollte unbedingt dafür sorgen, dass er gut und ausreichend schläft. Es ist auch wichtig zu verstehen, dass richtiger Schlaf für jeden etwas anderes bedeutet. Die Bedeutung kann gar nicht immer gleich sein, da jeder Körper andere Bedürfnisse hat – abhängig vom Alter und vielen anderen Faktoren.
Vielleicht überraschen euch die jüngsten Forschungsergebnisse, die besagen, dass es keine allgemeingültige Zeit zum Aufstehen geben kann. Es heißt zwar immer, es sei allgemein gesund, morgens um fünf Uhr aufzustehen. Dabei ist diese Aussage absolut falsch und wissenschaftlich nicht belegt. Nicht jeder profitiert davon, schon um fünf Uhr aufzustehen. Für manche mag es gut sein, doch anderen kann es schaden. Innerhalb von 24 Stunden sinkt die Körpertemperatur eines jedes Menschen für drei Stunden auf ein niedrigeres Niveau. In diesen drei Stunden schläft der Mensch am tiefsten. Weckt man ihn in dieser Zeit auf, hat dies negative Auswirkungen auf sein Befinden und seine Fitness am darauf folgenden Tag.
In der Regel liegen diese drei Stunden zwischen zwei und fünf Uhr morgens. Auf die meisten Menschen trifft das zu. Gleichwohl gibt es Ausnahmen. So hält sich die Körpertemperatur bei einigen Menschen bis morgens um sechs Uhr auf einem niedrigeren Niveau, bei manchen gar bis sieben Uhr. Bei anderen pendelt sie sich bereits um vier Uhr früh auf den normalen Wert ein. Wacht also jemand in der Zeit auf, die durch eine niedrigere Körpertemperatur gekennzeichnet ist, so wirkt sich dies negativ auf den gesamten Tag aus und kann sogar schaden. Aufstehen sollte man deshalb erst, wenn die Körpertemperatur langsam wieder ansteigt.
Gewöhnlich kommen Menschen gut damit zurecht, bei Sonnenaufgang aufzustehen, weil parallel zur Sonne auch die Körpertemperatur steigt. Dies ist jedoch keine verbindliche Regel, und es gibt Ausnahmen. Manche tun gut daran, den Sonnenaufgang zu verschlafen, da der Zeitpunkt, zu dem die Körpertemperatur ansteigt, individuell verschieden ist und dieser Vorgang unterschiedlich schnell verläuft. Deshalb muss jeder für sich selbst herausfinden, wie viele Stunden Schlaf er benötigt und welche Zeit des Aufstehens für ihn persönlich gut ist – ganz gleich was die Schriften sagen, ganz gleich was die Gurus sagen. Es gibt keinen Grund, sich an ihnen zu orientieren.
Je tiefer und länger ihr schlafen könnt, desto gesünder ist der Schlaf. Ich meine wirklich schlafen, nicht einfach nur auf dem Bett liegen. Auf dem Bett zu liegen ist nicht das gleiche wie schlafen.
Macht es euch zur Gewohnheit, dann aufzustehen, wenn es sich stimmig anfühlt. Häufig fällt diese Uhrzeit in die Zeit des Sonnenaufgangs, in deinem Fall mag es aber auch völlig anders sein. Kein Grund, dich zu sorgen, Angst zu haben, zu glauben, du bist ein Sünder oder auf dem Weg in die Hölle. Viele derjenigen, die früh am Morgen aufstehen, landen in der Hölle, während sich zahlreiche Spätaufsteher im Himmel tummeln. Frühes oder spätes Aufstehen hat nicht das Geringste damit zu tun, spirituell oder nicht spirituell zu sein – gesunder Schlaf indes allerdings eine ganze Menge.
Jeder sollte für sich selbst erkunden, was ihm gut tut, indem er beispielsweise drei Monate lang alles auf den Prüfstand stellt: seine Arbeit, seine Schlafgewohnheiten, seine Ernährung. Was bekommt ihm am besten, was macht ihn friedfertig und was glückselig.
Jeder sollte zudem seine ganz eigenen Regeln aufstellen. Keine zwei Menschen sind gleich, weshalb es keine allgemeingültige Regel geben kann. Wann immer jemand versucht, so genannte allgemeingültige Regeln auf sich anzuwenden, nimmt er Schaden. Jeder Mensch ist ein Individuum. Jeder Mensch ist einzigartig und unvergleichlich. Nur er selbst ist so, wie er ist, auf der ganzen Welt gibt es keinen anderen wie ihn. Aus diesem Grunde greifen allgemeine Regeln nicht, er muss selber herausfinden, welche Regeln zu ihm passen.
In Liebe
Ines
|